Anonym ist keine Lösung - Der Tod ist ein Teil des Lebens

Am liebsten würden wir ihn abschaffen - den Tod. Lieber gar nicht nachdenken über die Tatsache, dass unser Leben endlich ist. Gerade in der heutigen so zukunftsorientierten und fortschrittsgläubigen Zeit ertappen wir uns dabei zu hoffen, dem Tod ein Schnippchen schlagen zu können. Die Verdrängung hat viele Gesichter. Unumgänglich wird eine Auseinandersetzung mit dem Thema erst, wenn man den Verlust eines Angehörigen oder Bekannten verkraften oder sich mit einer lebensbedrohenden Krankheit auseinandersetzen muss.

Dass wir heute den Tod aus dem Leben verbannen, zeigt sich auch darin, dass sich Krankheit und Sterben vielfach nicht nur aus medizinisch-pflegerischen Gründen in der Anonymität und nicht mehr im Kreis der Familie, der Nachbarn und Freunde vollziehen. Nicht zuletzt hat die Weigerung, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen, auch Auswirkungen darauf, wie in unserer Gesellschaft mit den Verstorbenen, mit der Trauer und dem Gedenken an die Toten umgegangen wird: Immer mehr Bundesbürger lassen sich anonym bestatten oder entscheiden sich für eine anonyme Bestattung ihres verstorbenen Angehörigen. Die Urne wird auf einem separat ausgewiesenen  Gemeinschaftsfeld beigesetzt. Es fehlt das Grab als individueller Ort der Trauer und der Erinnerung. Kein Grabstein, kein Zeichen, kein Grabschmuck erinnert an den Verstorbenen. Ehepartner haben kein Anrecht auf eine gemeinsame Grabstätte. Die Beisetzung auf dem „Feld der Namenlosen“ erfolgt in der Regel ohne Trauerfeier und ohne Beteiligung der Angehörigen.

Keine Grabstätte zu besitzen, war für den antiken Menschen ein unerträglicher Gedanke. Niemanden zu haben, der die Erinnerung garantierte, hieß schon im Leben tot zu sein.

Die Entscheidung für eine anonyme Bestattung sollte deshalb gut überlegt sein, denn allzu oft vermissen die Hinterbliebenen später den individuellen Ort, an dem sie trauern, dem Verstorbenen nah sein und Blumen als Zeichen des Gedenkens niederlegen können. Ein individuelles Grab als Stätte der Erinnerung und des Gedenkens ist hier für immer verloren; eine angemessene Trauerbewältigung wird verwehrt.

Wer einmal erlebt hat, mit welcher Hingabe eine alte Frau das Grab ihres Mannes pflegt oder Eltern das Grab ihres verstorbenen Kindes schmücken, der begreift, dass das Grab Ort der Trauer und Kraftquelle für die Lebenden ist. An diesem Platz finden wir Ruhe, Erinnerung und Trost. Der geliebte Verstorbene wird nicht vergessen, sondern bleibt weiterhin sichtbar ein Teil unseres Lebens.

Selbst wenn wir bedingt durch einen Ortswechsel oder Zeitmangel nicht in der Lage sind, das Grab zu pflegen, garantieren Friedhofsgärtner durch ihre Arbeit das würdige Gedenken an unsere Verstorbenen.

Die Psychologin Gundula Fichtler, sieht die Ursachen für die steigenden anonymen Bestattungen in der veränderten Werteorientierung unserer Gesellschaft: „Heutzutage steht dem traditionell christlichen Verständnis von Tod und Auferstehung immer stärker eine materialistische Einstellung gegenüber. Nach dieser Vorstellung ist alles Materie, nichts hat Bestand über den Tod hinaus. Zudem werden familiäre Bindungen immer leichter aufgegeben zugunsten einer zunehmenden Individualisierung.“ Der Wunsch, frei und ohne viele Verpflichtungen das eigene Leben gestalten zu können, hat für den einzelnen an Bedeutung gewonnen. Folglich zeigt sich bei vielen Befragten die Sorge, sich mit der Grabpflege eine zusätzliche Belastung aufzuerlegen. Eine nicht unbedeutende Rolle spielt bei der Wahl der eigenen Bestattungsform auch, dass man anderen mit der Grabpflege keine Arbeit bereiten möchte bzw. die Überlegung, dass eigentlich niemand da ist, der sich um das Grab kümmern würde. Immer wieder machen es große Entfernungen oder zeitliche Engpässe für die Angehörigen unmöglich, sich selbst um das Grab zu kümmern.

Hier zeigt sich, dass die Dienstleistungsangebote der Friedhofsgärtner, wie zum Beispiel Vereinbarungen zur Dauergrabpflege, noch nicht hinreichend bekannt sind bzw. in den Kosten überschätzt werden.

Blumenschmuck und Beileidskränze haben eine wichtige Funktion beim Abschiednehmen. Die Blume steht als Symbol für das Werden und Vergehen. Das Sprießen, Knospen und Blühen auf dem Grab gilt als Sinnbild für die Hoffnung auf ein neues Leben. Man lässt Blumen sprechen, wo Worte schwer zu finden sind.

Der Tod eines geliebten Menschen ruft heftige Reaktionen hervor. Doch neben der Trauerbewältigung müssen die Hinterbliebenen eine Reihe von Formalitäten erfüllen, denen sie sich in dieser extremen Lebenssituation kaum gewachsen fühlen. Hier sollten wir vorausschauen und unsere Angehörigen nicht alleine lassen.

Durch eine rechtzeitige Regelung der Beerdigung bereits zu Lebzeiten ersparen wir es unseren Hinterbliebenen, sich in einer Phase der Trauer damit zu beschäftigen. Darüber hinaus haben wir Lebzeiten noch die Möglichkeit, Wünsche in Bezug auf die Anlage und die Gestaltung des Grabes mitzuteilen. Das Grab spiegelt dann auch nach unserem Tod unsere Persönlichkeit wider, z. B. durch einen individuell gefertigten Stein oder die Bepflanzung des Grabes mit unseren Lieblingsblumen und -pflanzen. Es zeugt davon, wie wir gelebt haben. Friedhofsgärtner bieten als kompetente Ansprechpartner eine wichtige Unterstützung. Sie garantieren im Verbund mit der Geistlichkeit, Bestattern und Steinmetzen eine Beerdigung, die es uns erlaubt, in Würde von den Angehörigen Abschied zu nehmen.

Die traditionelle Bestattungsform ist nicht nur Teil einer über Jahrhunderte gewachsenen Friedhofskultur, die es zu erhalten gilt. Sie ermöglicht auch eine aktive
Auseinandersetzung mit Leben und Tod, die Vergänglichkeit findet Raum in unserem Alltagsleben. Und tief in ihrem Inneren - das zeigen psychologische Studien -  wünschen sich die meisten Menschen von ihrem Grab eben doch mehr, als nur eine „praktische und preiswerte“ Lösung. (dte)